Herzmedizin in Demmin geht ins zehnte Jahr

Kardiologie am Kreiskrankenhaus sichert seit 2017 die wohnortnahe Versorgung von Herzpatienten in der Region

Wenn jede Minute zählt, ist schnelle Hilfe entscheidend. Gerade bei einem Herzinfarkt kann die Zeit bis zur Behandlung über Leben und künftige Lebensqualität entscheiden. Seit fast zehn Jahren profitieren die Menschen in der Region Demmin von einer hochspezialisierten, wohnortnahen Versorgung. Mit der Gründung der Klinik für Innere Medizin I – Schwerpunkt Kardiologie und interventionelle Kardiologie – im Juli 2017 wurde am Kreiskrankenhaus Demmin ein neues Kapitel in der Herzmedizin aufgeschlagen.
„Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören nach wie vor zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Deshalb ist es von unschätzbarem Wert, dass die Menschen in unserer Region im Notfall nicht erst in weiter entfernte Zentren verlegt werden müssen, sondern schnell und auf hohem medizinischem Niveau vor Ort behandelt werden können“, betonte Chefarzt Dr. Volker Bohlscheid (Foto). „Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Entscheidung für die interventionelle Kardiologie in Demmin richtig und wichtig war. Sie ist eine echte Erfolgsgeschichte.“
Vor der Gründung der Klinik war lediglich ein Kardiologe am Kreiskrankenhaus tätig. Heute kümmern sich drei Fachärztinnen und Fachärzte sowie ein spezialisiertes Team um Patientinnen und Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dafür stehen 27 der insgesamt 54 Betten der Klinik für Innere Medizin zur Verfügung. Seit 2017 können am Kreiskrankenhaus rund um die Uhr Menschen mit akuten Herznotfällen behandelt werden. Besonders bei Herzinfarkten zählt jede Minute. Dank kurzer Wege und eingespielter Abläufe können somit die Patientinnen und Patienten zeitnah versorgt werden.

Leistungsstarke Bilanz
Die Zahlen belegen die hohe Bedeutung der Kardiologie für die Region. Jährlich werden zwischen 1.500 und 1.700 stationäre Patientinnen und Patienten betreut. Im Rekordjahr 2019 waren es 1.697 Fälle, im vergangenen Jahr 1.540.
Im Jahr vor Corona 2019 wurden insgesamt 1.181 Herzkatheteruntersuchungen durchgeführt, 2025 insgesamt 906. „Ein besonderes Markenzeichen unserer Kardiologie ist, dass wir Herzkatheter-Untersuchungen nahezu ausschließlich über das Handgelenk durchführen. Das bedeutet für unsere Patientinnen und Patienten mehr Komfort, eine schnellere Mobilisierung und ein geringeres Blutungsrisiko. Bei Herzinfarktpatienten sinkt sogar nachweislich die Sterblichkeit durch den Zugangsweg über das Handgelenk“, hob der Kardiologe hervor, der dies bereits seit 20 Jahren praktiziert.
Hinzu kommen zahlreiche Eingriffe zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen sowie die Implantation und der Austausch von Herzschrittmachern. Im vergangenen Jahr 2025 wurden 114 Herzschrittmacher eingesetzt oder gewechselt. Den bisherigen Höchstwert verzeichnete die Klinik im Jahr 2018 mit 164 Implantationen.
„Unsere Fallzahlen zeigen, dass die Menschen großes Vertrauen in unsere Arbeit haben. Teilweise führen wir pro Arzt sogar mehr Prozeduren durch als größere Zentren. Das ist eine Leistung, auf die unser gesamtes Team sehr stolz sein kann“, so der Kardiologe.

Investition in die Zukunft
Damit die Kardiologie auch künftig auf höchstem Niveau arbeiten kann, investiert das Kreiskrankenhaus Demmin rund 500.000 Euro in die Modernisierung des Herzkatheterlabors. Nach fast zehn Jahren ist eine technische Erneuerung erforderlich, um den aktuellen Anforderungen und den Vorgaben der Krankenhausreform gerecht zu werden.
Das neue Herzkatheterlabor soll näher an die Zentrale Notaufnahme und die Radiologie rücken. Die neuen Räume werden mehr Platz und bessere Arbeitsbedingungen bieten. Perspektivisch könnte auch ein zweites Herzkatheterlabor sinnvoll werden.

Chefarzt, Cellist und Impulsgeber
Mit dem Aufbau der Klinik für Innere Medizin I hat Dr. Volker Bohlscheid die moderne Herzmedizin am Kreiskrankenhaus Demmin entscheidend geprägt. Der Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie und Notfallmedizin entwickelte die Abteilung in den vergangenen Jahren zu einem leistungsstarken Zentrum für die wohnortnahe Versorgung von Herzpatientinnen und Herzpatienten.
Der gebürtige Kölner studierte Medizin in Hannover und absolvierte seine fachärztliche Ausbildung in Braunschweig und München. Anschließend war er als Leitender Oberarzt am Herzzentrum in Karlsburg tätig, bevor er von 2002 bis 2017 die Klinik für Innere Medizin III am Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum Neubrandenburg leitete.

Bundesweit bekannt ist der Chefarzt zudem für seine Kurse zur Herzauskultation. Dabei handelt es sich um das sorgfältige Abhören des Herzens mit dem Stethoskop – eine klassische ärztliche Untersuchungstechnik, die wichtige Hinweise auf Herzklappenfehler und andere Herzerkrankungen liefern kann. Mit Fortbildungen für Ärztinnen und Ärzte setzt er sich dafür ein, klassische ärztliche Fähigkeiten wie das sorgfältige Gespräch mit den Patientinnen und Patienten und das Abhören des Herzens zu bewahren.
„Moderne Medizintechnik ist unverzichtbar. Aber die Grundlage jeder guten Medizin bleibt das Gespräch mit dem Patienten und die sorgfältige klinische Untersuchung. Diese Fähigkeiten dürfen wir nicht verlieren“, machte Dr. Bohlscheid deutlich. Im Oktober wird er erneut einen großen Kurs zur Herzauskultation mit bis zu 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern leiten.
Neben der Kardiologie schlägt sein Herz auch für die Musik. Als ausgebildeter Cellist widmet sich der Mediziner seinem Instrument bis heute mit großer Leidenschaft.


Hintergrund
Was passiert bei einer Herzkatheter-Untersuchung?

Bei einer Herzkatheter-Untersuchung wird ein dünner, flexibler Schlauch über ein Blutgefäß – meist am Handgelenk oder in der Leiste – bis zum Herzen vorgeschoben. Am Kreiskrankenhaus Demmin erfolgt der Eingriff fast ausschließlich über das Handgelenk (transradialer Zugang). Dieses schonende Verfahren ist ein besonderes Merkmal der Kardiologie in Demmin und bietet den Patientinnen und Patienten zahlreiche Vorteile. Sie können in der Regel schneller wieder aufstehen, und das Risiko für Blutungskomplikationen ist geringer. Bei Herzinfarktpatientinnen und -patienten kann dieser Zugangsweg zudem die Sterblichkeit senken.
Mit Kontrastmitteln und Röntgentechnik können die Herzkranzgefäße sichtbar gemacht und Engstellen erkannt werden. Werden Verengungen festgestellt, können diese häufig direkt während der Untersuchung behandelt und mit einem Stent versorgt werden, einer kleinen Gefäßstütze aus feinem Metallgeflecht, die das Blutgefäß dauerhaft offen hält. Die Herzkatheter-Untersuchung ermöglicht eine schnelle Diagnose und oft auch eine sofortige Therapie – insbesondere bei akuten Herzinfarkten.
   

Dr. Volker Bohlscheid hat die Kardiologie am Kreiskrankenhaus Demmin aufgebaut und in den vergangenen zehn Jahren zu einem leistungsstarken Zentrum der wohnortnahen Herzmedizin entwickelt. Foto: KKH Demmin/Joachim Kloock

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