Regionale Vernetzung stärkt Altersmedizin
Das Kreiskrankenhaus Demmin setzt auf Kooperationen, ein junges Team und die erste „Geri Nurse
Die Menschen werden älter – und damit wächst die Bedeutung einer Medizin, die nicht allein einzelne Erkrankungen behandelt, sondern den ganzen Menschen mit seinen individuellen Fähigkeiten und Einschränkungen in den Blick nimmt. Das Kreiskrankenhaus Demmin (KKH) hat deshalb seine Geriatrie in den vergangenen Monaten gezielt weiterentwickelt. Die Erweiterung von 20 auf 30 Behandlungsplätze hat sich etabliert, die Auslastung liegt zwischen 70 und 90 Prozent. Gleichzeitig geht das KKH neue Wege. Das Team setzt verstärkt auf die Zusammenarbeit mit anderen Krankenhäusern in der Region, investiert in die Qualifizierung der eigenen Mitarbeitenden und hat erstmals eine ausgebildete Geri Nurse im Einsatz.
Auch baulich soll die Altersmedizin am KKH Demmin weiterentwickelt werden. „Geplant sind moderne Therapieräume, die bessere Bedingungen für Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeitende schaffen sollen“, informierte Geschäftsführer Kermit Behnisch. „Die Planungen sind abgeschlossen, das Krankenhaus wartet derzeit auf die Freigabe der Fördermittel durch das Land.“
Geriatrie bedeutet Altersmedizin. Sie richtet sich vor allem an ältere Menschen, die häufig mehrere Erkrankungen gleichzeitig haben und dadurch in ihrer Mobilität und Selbstständigkeit eingeschränkt sind. Nach einer schweren Erkrankung, einem Sturz oder einer Operation geht es darum, möglichst frühzeitig wieder Fähigkeiten für den Alltag zurückzugewinnen und die Rückkehr in das eigene, selbstbestimmte Umfeld zu ermöglichen.
Nicht auf Patienten warten, sondern aktiv Kooperationen aufbauen
Eine besondere Rolle übernimmt dabei Gesundheits- und Krankenpfleger Martin, die erste Geri Nurse am Kreiskrankenhaus Demmin. Zwei weitere Pflegefachkräfte befinden sich derzeit in der entsprechenden berufsbegleitenden Weiterbildung, die über zwei Jahre läuft. Insgesamt verfügt die Station bereits über fünf geriatrisch qualifizierte Fachpflegekräfte.
Als Geri Nurse bringt Gesundheits- und Krankenpfleger Martin Rumi nicht nur besonderes Fachwissen in die Betreuung älterer, häufig mehrfach erkrankter Patientinnen und Patienten ein. Er ist zugleich als Botschafter der Demminer Altersmedizin unterwegs. Regelmäßig besucht er andere Krankenhäuser, stellt dort die Möglichkeiten der geriatrischen Komplexbehandlung in Demmin vor und bietet eine enge Zusammenarbeit im Interesse der Patientinnen und Patienten an.
Kontakte bestehen unter anderem zu Kliniken in Teterow, Wolgast, Waren (Müritz), Greifswald, Stralsund, Bartmannshagen und Karlsburg. Besonders eng ist die fachliche Zusammenarbeit mit dem auf Altersmedizin spezialisierten Gesundheitscampus Tessinum in Tessin. Künftig möchte Martin Rumi auch verstärkt Arztpraxen besuchen und über das Angebot der Geriatrie informieren. Denn noch immer ist vielen Betroffenen und ihren Angehörigen nicht bewusst, was moderne Altersmedizin leisten kann.
Gerade im vergangenen Winter zeigte sich die Bedeutung dieser Vernetzung. Aus verschiedenen Regionen wurden ältere Patientinnen und Patienten nach Stürzen und Unfällen in Demmin aufgenommen. Entscheidend ist dabei häufig, unmittelbar nach einer Operation oder Akutbehandlung mit der geriatrischen Frührehabilitation zu beginnen. Durchschnittlich bleiben die Patientinnen und Patienten etwa 15 bis 17 Tage auf der Station.
Weitere Investitionen in moderne Therapieräume geplant
Die Erweiterung der Geriatrie von 20 auf 30 Plätze wurde durch den Anbau des Kreiskrankenhauses und dadurch frei gewordene Stationsbereiche möglich. Damit verfügt das KKH Demmin über eine der größten Spezialstationen der Altersmedizin in MV. Inzwischen hat sich das erweiterte Angebot etabliert. Rund 26 Mitarbeitende gehören zum Team, darunter Fachpflegekräfte, Pflegehelferinnen und Pflegehelfer sowie Ärztinnen und Ärzte. Bei Bedarf stehen weitere Fachärzte aus der Inneren Medizin und der Chirurgie zur Seite. Physio- und Ergotherapie, Sozialdienst sowie bei Bedarf Logopädie, Psychologie und Seelsorge ergänzen die interdisziplinäre Versorgung.
Im Mittelpunkt steht die sogenannte geriatrische Komplexbehandlung. Dabei werden die Behandlung akuter Erkrankungen und intensive rehabilitative Maßnahmen miteinander verbunden. Auf Grundlage eines individuellen Therapieplans werden Mobilität, Alltagsfähigkeiten und geistige Leistungsfähigkeit gezielt gefördert. Die Patientinnen und Patienten werden nicht nur versorgt, sondern aktiv dabei unterstützt, möglichst viel selbst zu tun und ihre Autonomie zu bewahren.
Immer wieder erstaunlich, was Altersmedizin leisten kann
Maßgeblich mitgestaltet hat die Entwicklung der Geriatrie Stationspflegeleiterin Christine Heller. Die gebürtige Loitzerin ist seit 42 Jahren am Kreiskrankenhaus Demmin tätig, absolvierte hier von 1984 bis 1987 ihre Ausbildung und arbeitet seit 2010 als Stationsleitung. An ihrer Seite steht mit Pfleger Silvio ein weiterer erfahrener Gesundheits- und Krankenpfleger, der seit 2009 am KKH tätig ist und seit rund 20 Jahren im Beruf arbeitet.
„Die Geriatrie ist ein superspannendes medizinisches Fachgebiet, weil hier nahezu alle Fachrichtungen zusammenkommen. Unsere Patientinnen und Patienten sind sehr dankbar, und es ist immer wieder erstaunlich, was eine interdisziplinäre Altersmedizin leisten kann. Wir erleben viele außergewöhnliche und mutmachende Geschichten und sehen, wie Menschen ihre Mobilität, ihre Selbstständigkeit und damit ein großes Stück Lebensqualität zurückgewinnen“, betonte Christine Heller.
Das Team verbindet dabei Erfahrung mit gezielter Nachwuchs- und Fachkräfteentwicklung. Fünf Pflegefachkräfte befinden sich aktuell in der Ausbildung beziehungsweise Weiterbildung zur geriatrischen Fachkraft. Die Arbeit sei breit gefächert und fachlich anspruchsvoll, zugleich aber geprägt von einem jungen Team, das Hand in Hand arbeite und offen für neue Wege sei.
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Kreiskrankenhaus Demmin GmbH
Wollweberstraße 21
17109 Demmin